Entschädigung

28. Jul 2010

Gestern hat der Eckige Tisch in einem Pressegespräch eine vorläufige Bilanz gezogen.
Es ging um Entschädigungszahlungen in Höhe eines “signifikanten Betrages”.

Es ist unpopulär, Entschädigungszahlungen in Frage zu stellen. Ich tue es und möchte es begründen.

Wenn es um Geldbeträge geht, wird am Ende einer qualitativen Bewertung immer eine konkrete Zahl genannt werden müssen. Doch wie soll eine solche Zahl zustande kommen? Für wen gilt sie und warum? Für wen gilt sie nicht und warum?

Die Schwere eines Missbrauchs kann sich nur nach der Schwere der Auswirkungen auf die jeweilige Person ermessen lassen. Folglich führt ein und dieselbe Missbrauchshandlung zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen, zu völlig unterschiedlichen Folgen.

Warum sollte jemand besser gestellt sein, der von einem “reichen” Täter bzw. Institution gequält wurde als derjenige, welcher seinen Täter nicht mehr haftbar machen kann? Helfe ich einem Menschen dadurch, dass ich ihn durch eine Rentenzahlung aus der aktiven Gesellschaft ausschließe? Ist es nicht vielmehr wünschenswert, das er am “normalen” sozialen Leben teilnehmen kann?

Ist es ein abwegiger Gedanke, wenn ich statt Geld eher und u.a. die täterunabhängige Kostenübernahme individueller Therapien fordere. Hilfestellungen also, die auf die Person ausgerichtet sind und keine willkürlichen Begrenzungen enthalten. Was wäre mit einem übergreifenden (Hilfs-)Fond, in den auch Täter bzw. Institutionen einzahlen?

Eine Entschädigung kann es doch nicht geben. Aber eine geeignete Unterstützung, um auch als Betroffener ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

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Erinnerungen

27. Jul 2010

Gerade habe ich einen Beitrag im Tagesspiegel gelesen und mich an unser Projekt erinnert.

Ich rufe also das ab, was ich daraus gemacht habe - und verändere es gleich wieder. Das klingt um ein vielfaches kontrollierter, als es tatsächlich ist.

Was sind Erinnerungen? Wie funktioniert “Erinnerung”?

  • Geschrieben von tadmin

Zeit Online: KirchenSchweigen

23. Jul 2010

Im typischen, aber lesenswerten Zeit Online Beitrag Im Schutzraum des Schweigens geht es darum, wie Missbrauch in der evangelischen Kirche stattfinden konnte.

»Ich will mich hüten, dass ich nicht sündige mit meiner Zunge«, steht im Alten Testament, »ich bin verstummt und muss mein Leid in mich fressen.« Dass man seine Zunge hütet und sein Leid in sich hineinfrisst, dass man als Opfer besser schweigt und als Verantwortlicher mit zusammengebissenen Zähnen den Ruf seiner Institution verteidigt – das sind wiederkehrende Motive im größten Missbrauchsskandal der evangelischen Kirche.

  • Geschrieben von tadmin

Der Medienrummel läuft, Behörden arbeiten

22. Jul 2010

Auf Spiegel Online finden sich ein kurzer und ein guter Beitrag über aktuelle Ereignisse.

“Sexuelle Gewalt ist Machtausübung und keine Sexualität”, sagt Birgit Kohlhofer, Diplompsychologin, Psychotherapeutin und Mitautorin des Buchs “E.R.N.S.T. machen - Sexuelle Gewalt unter Jugendlichen verhindern”.

Auch Sozialpädagoge Siewering sieht eine Ursache für die Gewalt in der massiven Konfrontation mit Sex, in dem Menschen zu Objekten degradiert werden - und der mangelnden Reflexion darüber. “Sie konsumieren das alles, verarbeiten es aber nicht, weil in vielen Familien nicht darüber gesprochen wird.”

Es gibt natürlich auch unterschiedliche Blickwinkel.

Ich hoffe nur, dass weit abseits des Medienrummels die Betroffenen schnelle, professionelle Hilfe erfahren.

  • Geschrieben von tadmin

WissensPuzzle

21. Jul 2010

Was mich immer wieder verwundert, ist das versprengte Puzzle gegenwärtigen Wissens über Missbrauch. Vielleicht ist der Runde Tisch geeignet, eine nachhaltige Konsolidierung zu initiieren? Für mich wäre das ein tolles Ergebnis.

In Gesprächen mit „Fachpersonal“ schaue ich zu oft in verdutzte Gesichter oder zettle unbeabsichtigt Grundsatzdiskussionen an. Wann? Nun, wenn es um den Abgleich gegenwärtiger Erkenntnisse geht.

Meine Top 9:

  • Missbrauch kann man nicht an Symptomen erkennen
  • ca. 70 - 80 Prozent der Täter kommen aus dem sozialen Nahfeld der Kinder
  • ca. 30 - 40 % der Täter sind selbst Kinder oder Jugendliche
  • Erinnerungen können verändert werden
  • das Präventionsangebot in Deutschland ist groß, aber sehr unausgewogen und zu selten fundiert
  • vieles deutet auf einen tatsächlichen Rückgang der Missbrauchsfälle in Deutschland hin, d.h nicht nur die Zahlen der Kriminalstatistik sind Indikator
  • falls es einen Rückgang gibt, ist nicht bekannt bzw. belegt warum (!)
  • bei deutlich weniger als 50% der Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern sind pädophile Täter verantwortlich, doch sie sind wesentlich aktiver als andere Täter und extrem rückfallgefährdet
  • pädophile Täter sind nicht heilbar

Falls Sie bei mindestens einem der Punkte “das stimmt doch nicht” gedacht haben, recherchieren Sie bitte.

  • Geschrieben von tadmin